Wie Minimalismus hilft, Stress zu reduzieren

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Minimalismus und Morbus Fabry?

‚Was hat Minimalismus mit Morbus Fabry zu tun?‘, fragst du dich vielleicht. Zugegeben, es besteht kein direkter Zusammenhang. Dennoch möchte ich dir berichten, wie mir Minimalismus im Alltag geholfen hat, Stress und somit auch chronische Schmerzen und Erschöpfungszustände zu reduzieren. Stress ist in unserem Fall zwar nicht die Ursache für die Beschwerden. Die Ursache ist die Krankheit selbst. Doch habe ich erlebt, dass Stress von außen oder emotionaler Stress die Symptome noch verstärken können – seien es Kopf-, Magen-, Arm- oder Beinschmerzen oder auch starke Müdigkeit.

Um es vorweg zu nehmen: Ich glaube, dass dieser Lebensstil jedem helfen kann, seinen Alltag einfacher zu machen, egal ob krank oder nicht. Doch wenn man krank ist, sollte man sich seine Ressourcen besonders gut einteilen. Und wäre es in dem Fall nicht praktisch, die (begrenzte) Energie, die man zur Verfügung hat, nur für das Wichtige im Leben zu investieren?

Wie es begann

Aber ganz zum Anfang: Ich wurde nicht als Minimalistin geboren, im Gegenteil. Im Laufe der Jahre häuften sich bei mir immer mehr Dinge an, die nicht gerade kompatibel mit meiner 1-Zimmer-Wohnung waren. Als ich vor drei Jahren am Ende meines Studiums stand und eigentlich meine Abschlussarbeit schreiben sollte, wurde es mir zuviel. Meine Wohnung quoll über. Ich hatte das Gefühl, als würde jedes einzelne Teil mein Gehirn verstopfen und es mir unmöglich machen, nur einen klaren Gedanken für die Bachelorarbeit zu fassen.

Was ist Minimalismus?

Aber was versteht man eigentlich unter Minimalismus? Inzwischen haben viele schon mal davon gehört, denn nach und nach wird das Thema populärer. Waren es vor wenigen Jahren noch eine handvoll „Spinner“, die sich dafür interessierten, so sind es mittlerweile Hunderte oder Tausende, inklusive zahlloser Blogs und Bücher. Oft wird Minimalismus aber immer noch falsch verstanden: Als Askese, bei der man nicht mehr als 100 Dinge besitzen darf. Das stimmt so nicht. Minimalismus soll Spaß machen und guttun. Und jeder bestimmt selbst, wie viel er besitzt. Kein Minimalist, mit dem ich befreundet bin, hat jemals seinen Besitz gezählt. Ein weiterer Irrtum: Dass Minimalismus nur etwas mit Gegenständen aussortieren zu tun hat. Das ist meistens der erste Schritt, aber nicht der Letzte. Es geht im Weiteren auch um Achtsamkeit, Müßiggang, Nachhaltigkeit und um die Frage, wie möchte ich die wertvolle Zeit, die ich habe, am liebsten nutzen, wie kann ich am besten im Moment leben.

Der Spruch „Von dem Geld, das wir nicht haben, kaufen wir Dinge, die wir nicht brauchen, um Leute zu imponieren, die wir nicht mögen“, trifft das Dilemma der Konsumgesellschaft. Wofür kaufen wir so viele Sachen? Jedes Teil, das wir besitzen, braucht unsere Aufmerksamkeit und auch unsere Lebenszeit, auch wenn uns das oft nicht bewusst ist. Der Kauf ist noch am schnellsten getan. Dann aber will der Gegenstand gepflegt, repariert, geputzt, verstaut oder ggf. wieder verkauft werden. Abgesehen davon, dass er Geld gekostet hat, welches wir durch Arbeit generieren und damit wiederum mit Lebenszeit bezahlen.

Wenn man Menschen am Ende ihres Lebens fragt, was sie am meisten bereuen, dann ist ein Punkt oftmals, dass sie zu wenig Zeit für ihre Liebsten hatten, weil sie zu viel gearbeitet haben. Möglicherweise denkst du nun: „Ja, die hat gut reden, aber wie soll ich weniger arbeiten? Ich muss meine Familie ernähren.“ Klar, nicht jeder kann Teilzeit arbeiten und davon leben. Aber die Veränderung kann bereits im Kleinen beginnen: Muss man sich beispielsweise zu Weihnachten und zum Geburtstag Berge von Geschenken machen? Könnte man nicht einfach gemeinsam was Schönes unternehmen? Oder zu Weihnachten die Vorweihnachtszeit zum Plätzchenbacken nutzen, und wirklich mal erleben, was Besinnlichkeit bedeutet, statt sich durch zugestopfte Einkaufsmeilen zu quetschen?

Hast du mal erlebt, wie befreit du dich fühlst, wenn du im Urlaub im Hotel bist? Das liegt nicht nur daran, dass du Urlaub hattest, sondern auch daran, dass du so wenig Gepäck dabei hattest. Und damit kommt man ziemlich lange gut aus, denn man hat nur das Wichtigste dabei: Kleidung, vielleicht einen Laptop und ein paar Bücher.

Oder hast du mal einen Raum geputzt, der wunderbar aufgeräumt war und in dem es nur wenig Deko gab? Seit ich minimalistisch lebe, geht die Haushaltsarbeit viel schneller und macht zudem noch mehr Spaß.

Persönliche Grenzen

Minimalismus hat jedoch auch seine Grenzen. Und die sind ebenso wie die Vorgehensweise bei jedem individuell. Bei mir ist die Grenze dort erreicht, wo es unpraktisch wird. Einfach zu leben bedeutet für mich nicht nur, wenig zu besitzen, sondern auch, Zeit zu sparen. Wenn ich also nur noch drei Paar Unterhosen besitzen würde und somit alle drei Tage waschen müsste, wäre für mich das Prinzip des Minimalismus nicht mehr gegeben. Ich habe genug Kleidung, um länger als eine Woche damit auszukommen.

Warum das einfache Leben hilft, Schmerzen zu reduzieren

Das eigene Leben und den Alltag zu vereinfachen kann im ersten Schritt Arbeit bedeuten, da man sich überlegen muss, wie man was loswerden kann und möchte. Doch meiner Erfahrung nach ist es nicht nur Arbeit, es ist auch sehr befreiend! Und es muss nicht innerhalb eines Monats geschehen, sondern kann Step by Step erfolgen. Und hast du diesen Schritt einmal getan (und verhinderst, dass wieder viel reinkommt), so hast du den Grundstein gelegt. Minimalismus ist kein Hobby, es wird irgendwann zu einem Lebensgefühl, das man verinnerlicht. Es zieht weite Kreise: Man hat plötzlich die Möglichkeit und die Ruhe sich mit Themen zu beschäftigen, für die lange keine Zeit war. Vielleicht zum Bücherlesen, für Meditation, für Langsamkeit. Oder auch einfach nur: Für’s Nichtstun. Das ist das besonders Wertvolle und Heilsame.

Wie starten?

Hast du Lust bekommen, dein Leben zu vereinfachen? Hier findest du viele Tipps:

Blogs:
https://achtsame-lebenskunst.de/
http://www.einfachbewusst.de/
http://malmini.de/

Artikel:
Interview vom Zeitverein: http://www.zeitverein.com/wp-content/uploads/2017/07/2017-07-25_Salzburger%20Fenster_Zeit.pdf

Interview mit Nico Paech: http://www.tagesspiegel.de/politik/wachstumskritiker-niko-paech-sehe-ich-aus-wie-ein-hippie/7431092.html

Community zum Austausch:
https://minimalisten.org/

Stammtischdaten:
http://www.minimalismus-stammtisch.de/

Youtuber zu Minimalismus:
Minimal Mimi: https://www.youtube.com/channel/UCAguZeXOsmQpTVGbXj6-KwA
Undine Almani (Achtung, Ironie): https://www.youtube.com/channel/UCU9DFOi9-JCIP-DrgUwoT2g

Doku zu Müßiggang:
https://youtu.be/kazLxiXE3zw

Wie alles begann

„Jede Krankheit hat einmal klein begonnen“ (Gerhard Kocher)

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In meiner Kindheit hatte ich das Glück, unbeschwert und ohne Symptome zu leben. Erst mit dem Jugendalter, ich schätze ungefähr mit 14/15 begann es mit Magen-Darm-Problemen. Insbesondere starke Bauchkrämpfe, vor allem nach dem Essen oder bei Anspannung, machten mir immer wieder zu schaffen. Seitdem gehören „Körnerkissen“ zu den wichtigsten Utensilien meines Alltags. Auch morgendliche Übelkeit war an der Tagesordnung, weshalb ich eine Magenspiegelung und einen Laktoseintoleranz-Test machte: alles ohne Ergebnis. Kopfschmerzen waren ebenfalls mein ständiger Begleiter. Während meines Studiums kamen Konzentrationsschwierigkeiten, Müdigkeit und  Erschöpfungszustände hinzu. Die Erschöpfungszustände kamen aus heiterem Himmel über mich, als hätte jemand den Stecker aus meiner Energiesteckdose gezogen. Plötzlich war ich vollkommen leer und hatte höchstens noch so viel Akku, die Tätigkeit, die ich gerade ausführte, zuende zu bringen, bevor ich mich hinlegen musste. Mit normaler Erschöpfung hatte dies nichts zu tun, sie war so massiv, dass ich mich teilweise außerstande fühlte, mich im Bett auf die andere Seite zu drehen. Diese Zustände hielten manchmal stundenlang an. Die Meinung der Ärzte war schnell klar: Psychische Probleme. Und auch ich glaubte zeitweise an eine Art Burnout.

Doch irgendetwas in meinem Inneren hatte schon damals das Gefühl, wie „fremdgesteuert“ zu sein, als kämen die gesundheitlichen Probleme nicht aus meinem Inneren, meinen Gedanken, denn ich war doch guter Dinge. Ich war ehrgeizig, hatte Pläne, wollte mein Studium in Regelstudienzeit schaffen und einen Halbmarathon laufen. Doch daraus wurde nichts, mein Körper zeigte mir die Rote Karte. Nachdem sich die Erschöpfungszustände immer stärker häuften, zog ich die Reißleine und verordnete mir eine Studienpause inklusive Auszeit. Dass es ein und halb Jahre dauern würde, bis die Erschöpfungszustände fast nahezu verschwanden, damit hätte ich damals nicht gerechnet. Die Auszeit tat mir jedoch in jeglicher Hinsicht gut: Ich lernte in dieser Zeit nicht nur, Geduld und Nachsicht mit meinem Körper zu haben, sondern auch im „Hier und Jetzt“ zu leben.

Doch der Beginn der eigentlich wohltuenden Auszeit war gleichzeitig auch der Start massiver Beinprobleme. Ich kann nicht mehr sagen, wie genau es anfing, aber irgendwann waren meine Beine und Füße jeden Tag zu heiß, sodass ich sie mehrfach unter der Dusche abkühlen musste. Sie brennen, als hätte sie jemand angezündet. Ich stehe dann mit der Duschbrause in der Hand wie mit einem Feuerlöscher, um die Flammen zu löschen. Zunächst traten die Probleme nur bei hohen Außentemperaturen und beim Sport auf. Später kamen starke Schmerzen hinzu, die sich wie Wachstums- oder Muskelschmerzen anfühlen. Bei zu langer Liegezeit kann es auch zu einem innerlichen Druck kommen, der unerträglich wird. Oder Kribbeln an den Fußsohlen. Und manchmal auch alles zusammen. Dazu das Gefühl, die Beine nicht mehr als zugehörig zum Körper wahrzunehmen, wie etwas Fremdes, Störendes, das da nicht hingehört, 24/7. Für mich war und ist es unvorstellbar, damit den Rest meines Lebens zu leben. Aus diesem Grund begann ich, von Arzt zu Arzt zu rennen, um die Ursache für diese seltsamen Beschwerden zu finden.

Wie es weiterging, erfährst du im Artikel „Ärzteodyssee“.